Hypnose im Coaching
Hypnose ist einer dieser Begriffe, der sofort Bilder erzeugt – und selten die richtigen. Für viele hat Hypnose etwas von Kontrollverlust, Fingerschnipsen und einem schlafähnlichen Zustand, aus dem man angeblich willenlos wieder „aufwacht“. Andere verbinden damit Showformate, fragwürdige Versprechen oder gar Manipulation.
Kein Wunder also, dass Hypnose gerade im professionellen Coaching-Umfeld oft mit Skepsis betrachtet wird.
Gleichzeitig ist Hypnose – nüchtern betrachtet – weder neu noch exotisch. Hypnose basiert auf gut bekannten Prinzipien von Aufmerksamkeit, Entspannung und innerer Fokussierung. Zustände, die wir alle kennen: Wenn wir vollkommen in eine Aufgabe vertieft sind, beim Sport „im Flow“ aufgehen oder gedanklich abschalten, obwohl wir körperlich anwesend sind. In solchen Momenten verändert sich unsere Wahrnehmung und auch die Art, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten.
Ein Großteil dessen, was unser Denken, Fühlen und Handeln steuert, läuft dabei nicht bewusst ab. Entscheidungen, Gewohnheiten und innere Reaktionen entstehen häufig schneller, als wir sie rational erklären können. Genau dieser Umstand macht Hypnose im Coaching interessant: Hypnose setzt dort an, wo rein kognitive Gespräche manchmal an Grenzen stoßen.
Im Coaching kann Hypnose deshalb kein Ersatz für Reflexion, Beziehung oder Zielklärung sein, wohl aber eine ergänzende Methode im Werkzeugkoffer. Sie kann einen anderen Zugang zu inneren Prozessen, Ressourcen und Bildern ermöglichen.
Dieser Beitrag möchte Hypnose im Coaching einordnen. Er soll erklären, was Hypnose ist (und was nicht), wie sie wirkt und wo sie im professionellen Coaching sinnvoll eingesetzt werden kann. Ziel ist ein fundierter Einblick in eine Methode, die oft missverstanden wird, im Coaching jedoch durchaus ihren Platz haben kann.
Der Blogbeitrag gliedert sich wie folgt auf:
- Was Hypnose im Coaching wirklich ist
- Anwendungsgebiete von Hypnose im Coaching
- Hypnotische Sprachmuster
- Zusammenfassung
- Abschluss mit Video
Ich wünsche gute Inspiration!
Was Hypnose im Coaching wirklich ist
Eine Definition von Hypnose
Hypnose ist ein strukturierter Prozess, bei dem durch innere Fokussierung und körperliche Entspannung ein veränderter Bewusstseinszustand entsteht, d.h. man hat besseren Zugriff zu seinem Unterbewusstsein. Wichtig: Der Mensch bleibt dabei jederzeit orientiert, ansprechbar und selbstbestimmt.
Der Prozess besteht aus den Phasen
- Induktion,
- Intervention (Suggestion oder Tiefenentspannung oder Hypno-Coaching) und
- Deduktion
(Auf diese Phasen gehe ich später noch detaillierter ein.)
Das Ziel einer Hypnose ist die Trance – ein Zustand hochfokussierter Aufmerksamkeit bei gleichzeitiger tiefer körperlicher Entspannung. In diesem Zustand verändert sich die Art, wie Informationen verarbeitet werden. Äußere Reize treten in den Hintergrund, während innere Wahrnehmungen wie Bilder, Gedanken oder Emotionen stärker in den Vordergrund rücken.
Zur Klarheit:
Hypnose = Prozess
Trance = Zustand
Trance als Zugang zum Unterbewusstsein
Um zu verstehen, warum Hypnose im Coaching wirken kann, hilft ein vereinfachter Blick auf die Informationsverarbeitung des Menschen. Es muss davon ausgegangen werden, dass nur ein kleiner Teil unserer inneren Prozesse bewusst abläuft, während der überwiegende Teil unbewusst gesteuert wird. In Modellen wird dieser Unterschied oft mit etwa 5 % bewusster und 95 % unbewusster Verarbeitung beschrieben. Die Zahlen sind nicht exakt zu verstehen, verdeutlichen jedoch das grundlegende Verhältnis sehr anschaulich.
95 % unserer inneren Prozesse laufen unbewusst ab.
Zwischen diesen beiden Ebenen wirkt der sogenannte kritische Filter. Er bewertet neue Informationen kontinuierlich auf Logik, Plausibilität und Übereinstimmung mit bisherigen Erfahrungen und Überzeugungen. Dieser Filter erfüllt eine wichtige Schutzfunktion, kann jedoch auch dazu führen, dass neue Perspektiven oder innere Ressourcen schwer zugänglich bleiben – insbesondere bei stabilen Denk- und Verhaltensmustern.
In der Trance verändert sich diese Gewichtung. Aufmerksamkeit richtet sich stärker nach innen, äußere Reize treten in den Hintergrund und der kritische Filter wird weniger dominant. Informationen, Bilder und Suggestionen können dadurch anders wahrgenommen und verarbeitet werden als im rein kognitiven Gespräch.
Die nebenstehende Grafik veranschaulicht dieses Verhältnis nochmal: Unser Gehirn arbeitet bevorzugt im „Energiesparmodus“. Automatisierte, unbewusste Prozesse ermöglichen schnelles und effizientes Handeln im Alltag, während bewusstes, analytisches Denken vergleichsweise viel Energie benötigt und daher nur einen kleineren Teil unserer mentalen Aktivität ausmacht. Genau hier setzt Hypnose an: Hypnose eröffnet einen ergänzenden Zugang zu unbewussten Prozessen. Sie erweitert den Handlungsspielraum dort, wo rein rationale Zugänge an ihre Grenzen stoßen.
Die Rolle des Coaches bei der Hypnose
Im Coaching bedeutet Hypnose nicht, dass der Coach „etwas mit dem Klienten macht“. Vielmehr gestaltet der Coach einen klar strukturierten Prozess, in dem der Klient selbst in seinen fokussierten Zustand findet. Der Coach bleibt Prozessbegleiter, ist nicht Dirigent.
Hypnose wirkt im Coaching besonders nachhaltig, wenn sie in einen klaren Coaching-Prozess eingebettet ist. Ohne diese Einbettung bleiben Effekte häufig kurzfristig oder ganz wirkungslos. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass bei Veränderungsanliegen ohne begleitendes Coaching die Rückfallquote bei etwa 70 % liegt. Wird Hypnose hingegen auf Grundlage eines vorbereitenden Coachings eingesetzt, kann sie auf rund 30 % sinken. Die Zahlen sind als Orientierungswerte zu verstehen, verdeutlichen jedoch den Stellenwert von Prozessbegleitung und Transfer.
Drei unterschiedliche Formen von Hypnose
In der Coaching-Praxis lässt sich Hypnose – je nach Zielsetzung – grob in drei Arbeitsformen einteilen.
Suggestive Hypnose
Bei der suggestiven Hypnose steht die Arbeit mit gezielt formulierten Suggestionen im Vordergrund. Der Klient befindet sich in einem fokussierten Zustand, hört zu und lässt innere Bilder, Gedanken oder Empfindungen entstehen.
Diese Form wird häufig eingesetzt, wenn es darum geht, bestimmte Zustände zu stärken oder neue innere Ausrichtungen zu unterstützen – etwa mehr Ruhe, Selbstvertrauen, Motivation oder Fokus. Der Coach spricht dabei überwiegend, der Klient folgt innerlich.
Wie ein inneres Hörbuch, das neue Perspektiven anbietet, ohne etwas zu erzwingen.
Wichtig ist dabei, dass die Suggestionen klar, passend und professionell formuliert sind und auf zuvor geklärten Coaching-Zielen beruhen.
Analytische bzw. interaktive Hypnose
Die analytische oder interaktive Hypnose ist dialogischer aufgebaut. Der Klient ist in Trance, bleibt jedoch innerlich aktiv beteiligt. Wahrnehmungen, Bilder, Gefühle oder Gedanken werden während der Hypnose aufgegriffen und weiterentwickelt.
Der Coach stellt Fragen, lädt zum Beschreiben ein und reagiert auf das, was sich zeigt. Der Klient antwortet aus der Trance heraus, spontan und ohne langes Nachdenken.
Diese Form eignet sich besonders, wenn es um
- innere Blockaden,
- widersprüchliche Gefühle,
- belastende Glaubenssätze oder
- emotionale Zusammenhänge
geht, die im Gespräch schwer greifbar sind.
Wie ein inneres Gespräch, bei dem man einem Thema Raum gibt, statt es zu analysieren.
Hypnose zur Tiefenentspannung
Bei der Hypnose zur Tiefenentspannung steht nicht Veränderung, sondern Regulation und Erholung im Vordergrund. Ziel ist es, Körper und Geist in einen Zustand tiefer Entlastung zu führen. Der Klient muss hier nichts bearbeiten oder verstehen. Die Wirkung entsteht vor allem durch den hypnotischen Zustand selbst, nicht durch inhaltliche Suggestionen. Diese Form wird häufig eingesetzt bei Stress, innerer Unruhe, Erschöpfung oder Schlafproblemen.
Wie ein inneres Runterfahren, vergleichbar mit dem bewussten Abschalten nach einem langen Tag.
Aufbau einer Hypnose
Hypnose folgt einem klar strukturierten Ablauf. Unabhängig von Methode oder Stil lässt sich eine Hypnose in drei zentrale Phasen gliedern:
- Induktion (Einleitung
- Intervention (Arbeitsphase)
- Deduktion (Ausleitung)
Induktion (Einleitung)
In der Induktionsphase wird der Übergang vom Alltagsbewusstsein in einen fokussierten Zustand eingeleitet. Die Aufmerksamkeit richtet sich schrittweise nach innen, äußere Reize verlieren an Bedeutung. Häufig kommen dabei Elemente wie Atemfokussierung, Körperwahrnehmung oder sprachliche Bilder zum Einsatz. Ziel der Induktion ist Fokussierung und Entspannung.
Intervention (Arbeitsphase)
In der anschließenden Phase wird in der erreichten Trance gearbeitet. Je nach Zielsetzung können hier innere Bilder, ressourcenorientierte Impulse oder zielführende Suggestionen eingesetzt werden. Wichtig ist: Nicht jede Hypnose verfolgt ein konkretes Veränderungsziel. In manchen Kontexten steht schlicht das Erleben von Entspannung oder innerer Klarheit im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Inhalte zur Zielsetzung des Coachings passen und professionell formuliert sind.
Deduktion (Ausleitung)
Die Deduktion bildet den bewussten Übergang zurück in den Wachzustand. Aufmerksamkeit wird wieder nach außen gelenkt, Körperspannung und Wachheit nehmen zu. Eine saubere Ausleitung ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Hypnose, um den Prozess klar abzuschließen und Orientierung im Hier-und-Jetzt herzustellen.
Verschiedene Trancetiefen
Neben diesen Prozessphasen unterscheidet man verschiedene Trance-Tiefen. Diese reichen von leichten Entspannungszuständen bis hin zu sehr tiefen Trancen. Im Coaching wird überwiegend mit leichten bis mittleren Trancezuständen gearbeitet, da diese eine gute Balance zwischen innerer Fokussierung und bewusster Wahrnehmung ermöglichen.
Typische Anzeichen einer Trance können beispielsweise eine veränderte Atmung, Muskelentspannung, Lidflattern oder eine reduzierte Wahrnehmung äußerer Reize sein. Diese Merkmale dienen jedoch lediglich als Orientierung. Trance ist kein messbarer Zustand, sondern ein subjektives Erleben und nicht jede Trance zeigt sich nach außen gleich.
Für das Coaching ist entscheidend: Nicht die Tiefe der Trance ist ausschlaggebend, sondern ihre Passung zum Anliegen. Hypnose ist damit kein technischer Selbstzweck, sondern ein strukturierter Rahmen, der innere Prozesse gezielt unterstützen kann.
Anwendungsgebiete von Hypnose im Coaching
Hypnose kann im Coaching bei ganz unterschiedlichen Anliegen eingesetzt werden.
Ich setze Hypnose in meiner Arbeit nicht als eigenständiges Format ein, sondern meist als Teil einer Coaching-Sitzung ein – dann, wenn es zum Thema passt und einen echten Mehrwert bietet. Häufig geht es dabei darum, das, was zuvor im Gespräch erarbeitet wurde, noch einmal auf einer anderen Ebene erfahrbar zu machen oder zu vertiefen.
Nachfolgend stelle ich einige typische Anwendungsbereiche vor, in denen Hypnose im Coaching eingesetzt werden kann. Ich erhebe dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Klassische Anwendungsgebiete von Hypnose im Coaching-Kontext
Mentale Entspannung und Regeneration
Hypnose kann zur mentalen Entspannung und Erholung eingesetzt werden. Hier ist das bewusste Runterfahren, Abschalten und Regenerieren gemeint. Hypnose kann helfen, Erholungsfähigkeit zu verbessern, Pausen bewusster zu gestalten oder die Qualität von Ruhephasen zu erhöhen. Dieses Anwendungsfeld bildet die Grundlage für Methoden wie das Autogene Training und dient häufig als stabilisierender Bestandteil im Coaching.
Angst und Stressbewältigung
Ein zentrales Anwendungsfeld von Hypnose im Coaching ist die Bewältigung von Stress und angstbesetzten inneren Zuständen. Gemeint sind dabei keine klinischen Angststörungen, sondern Formen von Anspannung, Nervosität oder innerem Druck, wie sie im beruflichen Alltag häufig auftreten. Hypnose kann unterstützen, emotionale Reaktionen zu regulieren, Abstand zu belastenden Gedanken zu gewinnen und innere Ruhe wiederherzustellen. Typische Themen sind Stress im Arbeitsalltag, Prüfungs- oder Auftrittssituationen sowie der Umgang mit Erwartungsdruck.
Fokus, Konzentration und Leistungssteigerung
Ebenfalls kann Hypnose zum Einsatz kommen, um Aufmerksamkeit zu bündeln und mentale Leistungsfähigkeit zu steigern. Hypnose kann dabei unterstützen, sich gezielt auf anspruchsvolle Situationen vorzubereiten, Gedanken zu ordnen und innere Klarheit herzustellen. Im Kern geht es darum, die eigene mentale Stärke dann verfügbar zu haben, wenn sie gebraucht wird – etwa bei Präsentationen, wichtigen Gesprächen oder anspruchsvollen Entscheidungen. Vorhandene Fähigkeiten werden dadurch nicht neu geschaffen, sondern gezielter abrufbar.
Blockaden lösen und emotionale Klärung
Ein weiteres Anwendungsgebiet liegt im Aufarbeiten innerer Blockaden, die häufig durch belastende Erfahrungen, negative Glaubenssätze oder ungelöste emotionale Themen entstehen. Hypnose kann hier einen ergänzenden Zugang eröffnen, indem sie emotionale Zusammenhänge erlebbar macht, ohne sie analytisch zu zerlegen. In Trance können innere Bilder, Empfindungen oder Reaktionen wahrgenommen und neu eingeordnet werden. Ziel ist dabei das Verstehen, Entlasten und Neujustieren innerer Prozesse im Rahmen eines Coaching-Anliegens.
Ressourcenarbeit und innere Stärkung
Ein weiteres Anwendungsfeld liegt in der Aktivierung innerer Ressourcen. In Trance können positive Erfahrungen, Kompetenzen und unterstützende innere Zustände oft unmittelbarer wahrgenommen werden als im reinen Gespräch. Hypnose kann dazu beitragen, Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit oder innere Stabilität zu stärken – insbesondere in herausfordernden Rollen, Veränderungssituationen oder Phasen erhöhter Unsicherheit.
Verhaltensänderung und Gewohnheiten
Hypnose kann im Coaching auch zur Unterstützung konkreter Verhaltensänderungen eingesetzt werden. Viele Gewohnheiten laufen automatisiert ab und entziehen sich bewusster Steuerung. In der Trance können solche Muster bewusster wahrgenommen und neue Handlungsoptionen verankert werden. Typische Themen sind Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion, der Umgang mit Prokrastination oder das Verändern anderer hinderlicher Gewohnheiten.
Orientierung, Entscheidung und Zielklarheit
Gerade bei komplexen oder persönlich bedeutsamen Entscheidungen stoßen rein rationale Abwägungen manchmal an Grenzen. Unterschiedliche Argumente, Erwartungen oder innere Stimmen stehen nebeneinander, ohne dass sich daraus automatisch Klarheit ergibt. Hypnose kann hier als Erfahrungsraum für innere Orientierung genutzt werden. In Trance lassen sich Entscheidungsoptionen, mögliche Zielrichtungen oder zukünftige Szenarien innerlich erleben, statt sie ausschließlich gedanklich zu analysieren.
Dieser Zugang kann helfen, Stimmigkeit und innere Resonanz wahrzunehmen: Wie fühlt sich eine bestimmte Option an? Welche Bilder, Emotionen oder Körperreaktionen zeigen sich? Solche Rückmeldungen liefern oft wertvolle Hinweise, die im rein kognitiven Gespräch schwer zugänglich sind.
Hypnose gibt dabei keine Richtung vor. Sie unterstützt vielmehr dabei, Prioritäten zu klären und innere Widersprüche sichtbar zu machen. Die Verantwortung für die Entscheidung bleibt jederzeit beim Klienten; Hypnose dient als strukturierte Unterstützung auf dem Weg zu mehr innerer Klarheit.
Autogenes Training - Eine bekannte Form der Hypnose
An dieser Stelle gehe ich bewusst auf das Autogene Training (AT) ein. Der Begriff ist vielen Menschen bekannt und deutlich weniger mystifiziert als „Hypnose“.
Inhaltlich handelt es sich beim Autogenen Training um eine spezielle Form der Hypnose, die gezielt auf Ruhe, Entspannung und körperliche Erholung ausgerichtet ist. Damit lässt sich AT klar dem Anwendungscluster „Stress, Entspannung und mentale Entlastung“ zuordnen.
Autogenes Training als Form der Selbsthypnose
Autogenes Training basiert auf der Idee, durch konzentrierte Selbstwahrnehmung und einfache, wiederholte Formeln einen Zustand tiefer Entspannung herbeizuführen. Die Aufmerksamkeit wird schrittweise von äußeren Reizen weg und hin zu körperlichen Empfindungen gelenkt.
Typisch sind dabei sogenannte Ruhe- und Körperformeln, etwa das Erleben von Schwere, Wärme oder einem ruhigen Atem. Diese inneren Vorstellungen führen zu messbaren körperlichen Reaktionen wie Muskelentspannung, ruhiger Atmung oder einer Aktivierung des parasympathischen Nervensystems.
Aus fachlicher Sicht lässt sich dieser Zustand klar als leichte bis mittlere Trance beschreiben. Das Autogene Training ist damit eine strukturierte, standardisierte Form der Selbsthypnose, die besonders gut zur Entspannung geeignet ist.
Aufbau und typische Elemente des Autogenen Trainings
Das Autogene Training folgt einem klaren, strukturierten Ablauf. Ziel ist es, durch innere Fokussierung schrittweise einen Zustand tiefer Entspannung aufzubauen und diesen am Ende bewusst wieder zu verlassen. Der Rahmen sorgt dabei für Orientierung und Sicherheit.
Vereinfacht lässt sich der Ablauf wie folgt beschreiben:
- Einnehmen einer ruhigen Sitz- oder Liegeposition
- Reduktion äußerer Reize und Sammlung der Aufmerksamkeit
- Arbeit mit kurzen, wiederholten Ruhe- und Körperformeln
- Schrittweise Vertiefung der Entspannung
- Bewusste Ausleitung mit Aktivierung von Spannung und Wachheit
Hypnotische Sprachmuster
Wie Sprache Aufmerksamkeit lenkt - im Coaching und im Alltag
Wenn im Zusammenhang mit Hypnose von Wirkung gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf einen zentralen Faktor: Die Sprache. In hypnotischen Kontexten wird Sprache auf eine besondere Weise eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu lenken und innere Prozesse anzuregen.
Dabei geht es nicht um Befehle oder Einflussnahme. Suggestionen sind Einladungen: Einladungen an das Gehirn, gewohnte Denk-, Wahrnehmungs- oder Verhaltensweisen zu überprüfen, zu erweitern oder neu zu betrachten. Ob und wie diese Einladung angenommen wird, bleibt offen und individuell.
Hypnotische Sprache erklärt nicht, was richtig oder falsch ist. Sie bewertet nicht und überzeugt nicht. Stattdessen eröffnet sie innere Such- und Erfahrungsräume.
Typischerweise ist hypnotische Sprache
- indirekter formuliert,
- offen für innere Bilder und Bedeutungen,
- weniger erklärend und weniger bewertend sowie
- stärker auf Prozesse als auf Ergebnisse ausgerichtet.
Im nachfolgenden Abschnitt möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, dass hypnotische Sprachmuster auch in der Alltagssprache angewandt werden (können). Manche Menschen nutzen sie sehr selbstverständlich, andere weniger.
Zum Thema „hypnotische Sprachmuster“ gibt es ganz Bücher. An dieser Stelle möchte ich es mit einem kleinen Kapitel wirklich nur kurz anreißen.
Beispiel 1: Einladungen zu Möglichkeit und innerer Erfahrung
Formulierungen wie
„Wie schnell kannst du …?“
lenken den Fokus weg von der Frage, ob etwas möglich ist, hin zur Art und Weise, wie oder wie schnell es geschehen könnte. Die Möglichkeit wird implizit vorausgesetzt.
Beispiel 2: Sprachmuster, die Bewertungen umgehen
Sätze wie
„Ist es nicht angenehm zu wissen …?“ oder „Ich wundere mich, ob …“
regen innere Erfahrungen an, bevor eine bewusste Bewertung einsetzt. Das Gehirn beginnt, zu prüfen und zu erkunden, statt zu widersprechen.
Beispiel 3: Sprachmuster, die Zustimmung vorbereiten
Formulierungen wie
„Du sitzt hier und liest – und währenddessen …“ oder „Während du das hörst, kannst du bemerken …“
arbeiten mit Selbstverständlichkeiten. Sie schaffen einen inneren Zustimmungsmodus, ohne etwas einzufordern.
Beispiel 4: Sprachmuster, die Aufmerksamkeit umlenken
Verknüpfungen wie
„… weil …“ oder „und währenddessen …“
lenken den Fokus weg von Kontrolle und Bewertung hin zum Erleben eines Prozesses.
Allen diesen Sprachmustern ist gemeinsam: Sie fordern nichts ein. Sie öffnen Denk-, Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume, in denen neue Perspektiven entstehen können.
Hypnotische Sprachmuster sind keine Tricks und keine Manipulation. Sie wirken, weil sie Aufmerksamkeit strukturieren und innere Prozesse anregen. Der Unterschied zwischen Alltag und Coaching liegt dabei vor allem in der Bewusstheit und Verantwortung, mit der Sprache eingesetzt wird.
Zusammenfassung
Hypnose im Coaching ist weder ein spektakulärer Sonderzustand noch ein Instrument der Einflussnahme. Sie beschreibt einen strukturierten Prozess, der über innere Fokussierung und Sprache den Zugang zum Unterbewusstsein, wo wir die meisten unser Entscheidungen treffen, erleichtert. Entscheidend ist dabei nicht die Tiefe der Trance, sondern ihre Passung zum Anliegen und ihre professionelle Einbettung in einen Coaching-Prozess.
Im Coaching kann Hypnose vielfältig eingesetzt werden: Zur mentalen Entspannung und Regeneration, zur Bewältigung von Stress und innerem Druck, zur Förderung von Fokus und Leistungsfähigkeit, zur Klärung innerer Blockaden, zur Aktivierung von Ressourcen sowie zur Unterstützung bei Verhaltensänderungen und Entscheidungen. Methoden wie das Autogene Training zeigen exemplarisch, dass hypnotische Zustände nichts Fremdes sind, sondern auf etablierten Prinzipien von Aufmerksamkeit und Selbstregulation beruhen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Sprache. Hypnotische Sprachmuster wirken nicht durch Manipulation, sondern als Einladungen, gewohnte Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster zu hinterfragen oder neu zu betrachten. Ihre Wirkung entfalten sie insbesondere dann, wenn sie bewusst, transparent und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Hypnose wirkt meist nachhaltiger, wenn Sie im Rahmen eines Coaching-Settings eingebettet ist. Als ergänzende Methode kann sie Coaching vertiefen, innere Prozesse erlebbar machen und Veränderung unterstützen – sachlich, professionell und ohne Mystifizierung.
