Systemisch Aufstellen

Systemisch Aufstellen

Komplexe Beziehungen sichtbar machen

Systemisch Aufstellen

Wenn ich erwähne, dass ich als systemischer Coach arbeite, höre ich häufig recht schnell:

„Ah … so mit Aufstellungen?“

Ja. Tatsächlich gehören systemische Aufstellungen zu den bekannteren Methoden im systemischen Kontext und gleichzeitig wahrscheinlich auch zu den missverständlichsten.

Manche verbinden damit (teils große) Gruppenveranstaltungen, andere denken an Familiendynamiken oder „verborgene Wahrheiten“. Wieder andere haben überhaupt keine Vorstellung davon, was damit eigentlich gemeint ist.

Höchste Zeit also, etwas Klarheit in das Thema zu bringen und im Rahmen dieses Blogartikels zu erläutern, was ich unter „Systemisch aufstellen“ verstehe und wie ich es in meiner Arbeit als Coach praktiziere.

In meinen Coachings arbeite ich im 1:1 mit Menschen an beruflichen oder persönlichen Fragestellungen. Dabei nutze ich – neben vielen anderen Methoden – manchmal auch sogenannte System- oder Beziehungsbretter, um eben Beziehungen, Spannungen, Rollen oder Wechselwirkungen sichtbar zu machen.

Denn vieles, was Menschen beschäftigt, lässt sich zwar beschreiben – aber oft erst wirklich verstehen, wenn es sichtbar wird.

Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen: Was bedeutet systemisches Aufstellen eigentlich? Welche Denkansätze stehen dahinter? Und wie kann ein Systembrett dabei helfen, komplexe Dynamiken besser zu erkennen und neue Perspektiven zu entwickeln?

Der Blogartikel ist wiefolgt aufgebaut:

  1. Die verschiedenen Denkansätze
  2. Wofür systemische Aufstellungen genutzt werde können
  3. Eine Coaching-Sitzung mit dem Systembrett
  4. Was beim systemischen Aufstellen wichtig ist
  5. Zusammenfassung

Ich wünsche gute Inspiration!

Die verschiedenen Denkansätze

Bevor wir uns anschauen, wie systemisches Aufstellen im Coaching konkret genutzt werden kann, lohnt sich ein ganz kurzer Blick auf die wichtigsten Denkansätze hinter dieser Methode.

Keine Sorge! Das wird hier jetzt kein tiefgehender Ausflug in die Psychotherapiegeschichte. Mir geht es vielmehr darum zu zeigen, dass sich unterschiedliche Menschen über einige Jahrzehnte Gedanken darüber gemacht haben, wie Beziehungen, innere Bilder und Dynamiken sichtbar gemacht werden können.

Dabei entstanden verschiedene Ansätze, die das systemische Arbeiten bis heute beeinflussen.

Jakob Levy Moreno und das Psychodrama

Jacob Levy Moreno (1889–1974, österreichisch-US-amerikanischer Arzt, Psychiater und Soziologe) gilt als einer der Wegbereiter moderner Aufstellungsarbeit. Mit seinem sogenannten Psychodrama entwickelte er bereits in den 1920er-Jahren Methoden, bei denen Menschen Konflikte, Beziehungen und innere Spannungen nicht nur besprachen, sondern aktiv darstellten.

Die Grundidee dahinter war einfach: Manche Dinge werden verständlicher, wenn sie sichtbar und erlebbar werden.

Moreno interessierte sich nämlich nicht nur für Psychotherapie, sondern auch leidenschaftlich für Theater und insbesondere für das sogenannte Stegreif-Theater. Dabei beobachtete er immer wieder, wie befreiend es für Menschen sein kann, Gefühle und Rollen auszudrücken, die im Alltag häufig unterdrückt werden oder keinen Raum bekommen. Genau daraus entstand die Idee des Psychodramas: Menschen sollten die Möglichkeit erhalten, belastende oder konflikthafte Situationen ihres Lebens in Rollenspielen darzustellen und auszuprobieren. Gefühle, die sonst aus unterschiedlichsten Gründen nicht gezeigt werden konnten, bekamen dadurch einen geschützten Ausdrucksraum.

Jakob Levy Moreno und das Psychodrama (Selbsthilfegruppe)

Außerdem setzte er auf Unterstützung durch die Gruppe, in denen Probleme erörtert wurden, und gilt daher auch als Begründer der Selbsthilfegruppen (daher auch das gewählte Bild).

Desweiteren verstand sich Moreno nicht als unantastbarer Experte über seine Klienten. Vielmehr wollte er Therapie auf Augenhöhe gestalten. 

Viele Grundideen moderner systemischer Aufstellungen und Coaching-Methoden lassen sich bis heute auf diese Gedanken zurückführen:

  • Beziehungen sichtbar machen,
  • Perspektiven wechseln,
  • Situationen erleben statt nur analysieren und
  • neue Erfahrungen in einem geschützten Rahmen ermöglichen.

Virginia Satir und familiäre Beziehungsmuster

Die Familientherapeutin Virginia Satir (1916 – 1988, US-amerikanische Psychotherapeutin) begann in den 1950er-Jahren damit, nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Familien in die therapeutische Arbeit einzubeziehen. Ihrer Erfahrung nach stabilisierte sich der Zustand Ihrer Klienten, wenn sie das System Familie einbezog: Erfahrungen innerhalb der eigenen Familie beeinflussen häufig, wie Menschen sich selbst wahrnehmen, Beziehungen gestalten und die Welt interpretieren.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand die Überzeugung, dass jeder Mensch grundsätzlich die Fähigkeit besitzt, sich weiterzuentwickeln und ein erfülltes Leben zu führen. Entscheidend dafür sei vor allem der eigene Selbstwert. Virginia Satir ging davon aus, dass jeder Mensch wertvoll ist; auch wenn dieses Gefühl im Laufe des Lebens manchmal verloren geht oder durch belastende Erfahrungen überlagert wird.

Durch die bewusste Beschäftigung mit diesen Beziehungsmustern sollten Menschen erkennen können, welche Erfahrungen sie geprägt haben, welche inneren Bilder daraus entstanden sind und wie sich diese bis heute auf Denken, Fühlen und Verhalten auswirken. Dadurch könne die Gegenwart neu bewertet und Veränderung überhaupt erst möglich werden.

Virginia Satir und familiäre Beziehungsmuster

Um solche inneren Bilder sichtbar und erlebbar zu machen, entwickelte Satir verschiedene Methoden, wie die Familienskulptur, die Familienrekonstruktion und das sogenannte „Fest der Persönlichkeitsanteile“ (Parts Party).

Beziehungen wurden räumlich dargestellt:

  • Wer steht wem nahe?
  • Wer hält Abstand?
  • Wer fühlt sich ausgeschlossen?

Dadurch entstanden sichtbare Bilder innerer Wahrnehmungen und Beziehungsmuster.

Albert Pesso und emotionale Erfahrungen

Auch Albert Pesso (1929 – 2016, US-amerikanischer Tänzer, Choreograf und Pionier der Körperpsychotherapie) beschäftigte sich intensiv mit inneren Bildern und emotionalen Erfahrungen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stand die Frage, welche emotionalen Bedürfnisse Menschen möglicherweise nicht ausreichend erfüllt bekommen haben.

Dabei ging es beispielsweise um

  • Schutz,
  • Orientierung,
  • Anerkennung
  • oder emotionale Sicherheit.

Pesso arbeitete mit symbolischen Szenen und inneren Bildern, um neue emotionale Erfahrungen erlebbar zu machen. Sein Ansatz beeinflusste später viele Methoden, bei denen Menschen neue Perspektiven entwickeln und Beziehungserfahrungen bewusster wahrnehmen können.

Für die spätere Aufstellungsarbeit war insbesondere die Erkenntnis bedeutsam, dass Menschen nicht nur über ihre Erfahrungen sprechen, sondern diese auch über Bilder, Symbole und räumliche Anordnungen wahrnehmen und verarbeiten. Durch das Sichtbarmachen innerer Erlebenswelten können neue Einsichten entstehen und alternative Sichtweisen entwickelt werden.

Bert Hellinger und sein bekanntes Familienaufstellen

Im deutschsprachigen Raum wurde das Thema Aufstellungen vor allem durch Bert Hellinger bekannt. Viele Menschen verbinden den Begriff „Aufstellung“ bis heute unmittelbar mit seinem Namen.

Seine oft sehr intensiven Gruppenaufstellungen machten die Methode weithin bekannt, führten jedoch gleichzeitig auch zu kontroversen Diskussionen. Systemische Fachverbände grenzten sich später teilweise deutlich von einzelnen Vorgehensweisen und Deutungsansätzen ab. 

Im heutigen systemischen Coaching stehen deshalb meist weniger allgemeingültige Wahrheiten im Mittelpunkt, sondern vielmehr die subjektive Wahrnehmung des Klienten sowie neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten. Mehr dazu im Kapitel „Was (mir) beim systemischen Aufstellen wichtig ist“!

Wofür systemische Aufstellungen genutzt werden können

Im Coaching geht es häufig um Situationen, die Menschen zwar gut beschreiben können, die sich allein durch Gespräche jedoch oft nur schwer vollständig erfassen lassen.

Gerade bei Konflikten, Spannungen, Entscheidungsfragen, Teamdynamiken
oder inneren Ambivalenzen kann es hilfreich sein, Beziehungen und Wechselwirkungen sichtbar zu machen.

Genau hier kann ein System- oder Beziehungsbrett unterstützen! Figuren, Abstände, Blickrichtungen oder Positionen helfen dabei, komplexe Zusammenhänge übersichtlicher darzustellen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Typische Anwendungsbereiche

Systemische Aufstellungen beziehungsweise Systembretter können in sehr unterschiedlichen Kontexten eingesetzt werden.

Oft geht es zunächst darum, ein System besser zu verstehen:

  • Wer beeinflusst wen?
  • Wo entstehen Spannungen?
  • Welche Beziehungen wirken unterstützend oder belastend?
  • Welche Muster wiederholen sich möglicherweise?

Dadurch lassen sich Wechselwirkungen innerhalb von Teams, Beziehungen oder anderen Systemen häufig differenzierter wahrnehmen.

Typische Themen im Coaching sind beispielsweise:

  • Konflikte im Team
  • Schwierige Beziehungen zu Kollegen oder Führungskräften
  • Rollenunklarheiten
  • Entscheidungsprozesse
  • Veränderungssituationen
  • Innere Konflikte oder Ambivalenzen
  • Spannungen in Partnerschaft und Familie

Auch komplexe Situationen mit mehreren Beteiligten lassen sich dadurch oft deutlich strukturierter betrachten.

Welche Effekte entstehen können

Ein großer Vorteil systemischer Aufstellungen liegt darin, dass abstrakte oder diffuse Situationen sichtbar werden.

Viele Klienten erleben bereits beim Aufstellen der Figuren mehr Klarheit:
Beziehungen, Spannungen oder Dynamiken erhalten plötzlich eine konkrete Form.

Dadurch können unter anderem folgende Effekte entstehen:

  • Reduktion von Komplexität
  • Mehr Transparenz
  • Neue Perspektiven
  • Besseres Verständnis von Konflikten
  • Entwicklung neuer Handlungsmöglichkeiten

Hilfreich ist dabei auch, dass Situationen gewissermaßen „eingefroren“ werden können. Unterschiedliche Konstellationen lassen sich betrachten, verändern und miteinander vergleichen.

Außerdem entsteht häufig ein Perspektivwechsel: Klienten können sich gedanklich in unterschiedliche Positionen hineinversetzen und dadurch neue Sichtweisen gewinnen.

Warum Bilder oft mehr auslösen als Gespräche allein

Viele Menschen denken nicht nur in Worten, sondern auch in inneren Bildern.

Bereits kleine Veränderungen im Aufbau können eine starke Wirkung entfalten:

  • Figuren rücken näher zusammen,
  • halten Abstand,
  • wenden sich zu
  • oder voneinander ab.

Dadurch werden Dynamiken sichtbar, die zuvor vielleicht nur diffus wahrgenommen wurden.

Manche Klienten bemerken erst beim Aufstellen,

  • wie stark eine Person im Mittelpunkt steht,
  • wie groß ein Abstand geworden ist
  • oder wie wenig Raum sie selbst im System einnehmen.

Genau deshalb kann das Sichtbarmachen von Beziehungen manchmal mehr Klarheit schaffen als lange theoretische Erklärungen.

Eine Coaching-Sitzung mit dem Systembrett

Wie genau mit einem System- oder Beziehungsbrett gearbeitet wird, hängt natürlich immer vom Anliegen und vom jeweiligen Coaching-Kontext ab. Dennoch gibt es einen typischen Ablauf, an dem sich viele systemische Coaches orientieren.

Wichtig dabei:

Der Coach „interpretiert“ das System nicht für den Klienten und erstellt auch kein eigenes Bild.

Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Wahrnehmung und die Reflexion des Klienten selbst.

Schritt 1: Das Anliegen klären und das Ziel formulieren

Am Anfang steht natürlich zunächst das Anliegen des Klienten.

  • Worum geht es eigentlich?
  • Welche Situation soll besser verstanden werden?
  • Was soll sich verändern?

Oft zeigt sich bereits in dieser Phase, welche Personen, Rollen oder Einflussfaktoren im System eine wichtige Rolle spielen.

Gemeinsam werden anschließend Ziel und Auftrag geklärt. Geht es eher um:

  • Analyse und Verständnis?
  • Um einen Konflikt?
  • Um eine Entscheidung oder um
  • die Entwicklung neuer Handlungsmöglichkeiten?

Außerdem erläutert der Coach den Umgang mit dem System- beziehungsweise Beziehungsbrett und erklärt den grundsätzlichen Ablauf der Methode.

Adam ist seit einigen Monaten Teamleiter einer IT-Infrastruktur-Einheit und führt zehn Mitarbeitende. Die Zusammenarbeit funktioniert grundsätzlich gut, dennoch erlebt er sich zunehmend als „Getriebener“.

Besonders beschäftigen ihn zwei Themen:

  1. Es gibt nur wenige klar formulierte Teamziele.
  2. Er möchte seine Führungsrolle aktiver gestalten, statt vor allem auf Anforderungen und Termine zu reagieren.

Das Ziel formuliert Adam wiefolgt:

„Ich weiß, wie ich sicher, gelassen, authentisch und klar meine Führungsrolle einnehmen kann, um auf meiner Zufriedenheitsskala von 0 bis 10 eine 8 zu erreichen.“

Schritt 2: Das Thema sichtbar machen

Im nächsten Schritt beginnt der Klient damit, sein inneres Bild der Situation sichtbar zu machen.

Dafür werden Figuren ausgewählt und auf dem Brett positioniert. Unterschiedliche Abstände, Blickrichtungen oder Größen können dabei bereits erste Hinweise auf Beziehungen und Dynamiken geben.

Während des Aufstellens denkt der Klient laut und beschreibt seine Wahrnehmungen:

  • Was wirkt stimmig?
  • Was irritiert?
  • Wer steht nah oder weit entfernt?
  • Welche Figur fällt besonders auf?

Oft entstehen bereits in dieser Phase erste neue Erkenntnisse.

Adam beginnt sein aktuelles inneres Bild der Situation darzustellen.

Er stellt dar:

  • Sich selbst (als Führungskraft von 8 Personen)
  • Die 10 Teammitglieder (zu denen er ein unterschiedliches gutes Verhältnis hat und die allesamt unterschiedliche Erfahrungen mitbringen)
  • Seinen Vorgesetzten

Er positioniert sich dabei selbst zwischen seinem Team und seinem Vorgesetzten.

Systembrett - Das Thema sichtbar machen

Schritt 3: Fragen und Perspektivwechsel

Während der Klient sein Thema betrachtet, unterstützt der Coach den Prozess vor allem durch Fragen.

Dabei geht es nicht darum, vorschnelle Interpretationen oder Ratschläge zu geben, sondern dem Klienten neue Perspektiven und Wahrnehmungen zu ermöglichen.

Typische Fragen können beispielsweise sein:

  • Welche Figur zieht Ihre Aufmerksamkeit besonders an?
  • Was verändert sich, wenn eine Figur ihre Position wechselt?
  • Welche Konstellation wirkt stimmiger?
  • Wer fehlt möglicherweise im Bild?

Dadurch können Wechselwirkungen, Spannungen und Dynamiken häufig differenzierter wahrgenommen werden.

Adam stellt sich Fragen zu seiner aktuellen Situation und nimmt Veränderungen vor:

Manche Teammitglieder rücken näher zusammen, andere weiter auseinander. Manche rücken näher zu ihm, andere haben einen größeren Abstand zu ihm. Auch die Position sowie Größe des Vorgesetzten wird angepasst.

Es wird deutlich: Nicht das gesamte Team belastet ihn gleichermaßen. Vielmehr sind es bestimmte Personen und Erwartungen, die seine Wahrnehmung besonders prägen.

Systembrett - Fragen und Perspektivwechsel

Schritt 4: Entwicklung eines Lösungsbildes

Im weiteren Verlauf entwickelt der Klient mit Unterstützung des Coaches Schritt für Schritt ein konkretes Lösungsbild.

Dafür können Figuren

  • verschoben,
  • gedreht,
  • näher zusammengebracht
  • oder bewusst auf Abstand gesetzt werden.

So entstehen neue Sichtweisen und mögliche Handlungsperspektiven.

Für Adam wird immer deutlicher, dass vor allem wenige Personen im Team einen besonders starken Einfluss auf seine Führungsrolle haben.

Außerdem erkennt er, dass er sich selbst häufig eher als Vermittler zwischen Team und seinem Vorgesetzten wahrgenommen hat, anstatt als aktiv gestaltende Führungskraft.

Im Lösungsbild verändert er deshalb seine Position, um das Bild für ihn stimmiger zu machen:

  • Er rückt näher an sein Team,
  • positioniert sich zentraler
  • bindet bestimmte Teammitglieder näher an sich und
  • beschreibt den Abstand zum Vorgesetzten als stimmig und funktionierend.
Sytembrett - Entwicklung eines Lösungsbildes
Systembrett Perspektive 1
Systembrett Perspektive 2
Systembrett Perspektive 3

Schritt 5: Überlegung erster Handlungsschritte

Zum Abschluss wird gemeinsam betrachtet, welche konkreten nächsten Schritte sich aus der Aufstellung ableiten lassen.

Der Klient erarbeitet mit Unterstützung des Coaches einen ersten Lösungsschritt, der sich aus den gewonnenen Erkenntnissen ergibt.

Oft entsteht bereits durch das Sichtbarmachen des Systems mehr Klarheit darüber, welche Veränderung als nächstes sinnvoll sein könnte.

Konkret nimmt sich Adam folgende Punkte für die nächsten Tage und Wochen vor, um seinem Ziel näher zu kommen:

  1. Ziele klarer formulieren und kommunizieren: Adam möchte seinem Team künftig stärker Orientierung geben und Erwartungen transparenter machen.
  1. Die Führungsrolle aktiver gestalten: Anstatt vor allem auf Anforderungen zu reagieren, möchte er bewusst mehr Zeit für Führung, Priorisierung und Kommunikation einplanen.

Was beim systemischen Aufstellen wichtig ist

Auch wenn System- oder Beziehungsbretter im Coaching sehr hilfreiche Perspektiven eröffnen können, ist mir ein Punkt besonders wichtig: Eine Aufstellung zeigt keine objektive Wahrheit.

Sichtbar wird vielmehr die subjektive Wahrnehmung des Klienten; also dessen aktuelles inneres Bild von Beziehungen, Rollen oder Dynamiken.

Das Systembrett ist auch kein „Wundermittel“ und nicht für jedes Anliegen automatisch die passende Methode. Manchmal reichen Gespräche, Reflexionsfragen oder andere Coaching-Ansätze vollkommen aus. Das Systembrett ist am Ende eines von vielen möglichen Werkzeugen im systemischen Coaching.

Nachfolgend finden Sie ein paar Punkte, die mir bezüglich meiner Haltung als Coach besonders wichtig sind.

Der Klient ist der Experte für sein eigenes System

Im systemischen Coaching geht man grundsätzlich davon aus, dass der Klient selbst der Experte für sein eigenes Leben und Erleben ist.

Der Coach liefert daher keine fertigen Deutungen und „liest“ auch keine verborgenen Wahrheiten aus einer Aufstellung heraus.

Vielmehr begleitet er den Prozess durch

  • Fragen,
  • Perspektivwechsel,
  • Reflexion und
  • Struktur

Das Ziel ist nicht, eine „richtige“ Lösung vorzugeben, sondern neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Fragen statt Interpretationen

Gerade beim Arbeiten mit Systembrettern wäre es leicht, vorschnelle Interpretationen vorzunehmen:

  • Diese Figur steht bestimmt für Distanz.“
  • „Hier sieht man ein Machtproblem.“
  • „Das bedeutet klar, dass …“

Im systemischen Arbeiten geht es jedoch bewusst darum, solche Deutungen nicht vorschnell über den Klienten zu legen.

Deshalb steht eher die Frage im Mittelpunkt:

  • „Was bedeutet diese Konstellation für den Klienten selbst?“

Der Coach unterstützt vor allem durch neugierige und offene Fragen – nicht durch fertige Erklärungen oder Bewertungen.

Die Wahrnehmung verändert bereits das System

Oft entstehen neue Erkenntnisse nicht erst durch große Veränderungen auf dem Brett, sondern bereits durch das bewusste Betrachten der eigenen Situation.

Viele Klienten bemerken beim Aufstellen beispielsweise

  • welche Personen besonders viel Raum einnehmen,
  • wo Distanz entstanden ist,
  • welche Dynamiken sich wiederholen oder
  • welche Perspektiven bisher kaum bewusst wahrgenommen wurden.

Allein diese veränderte Sichtweise kann bereits neue Gedanken und Handlungsmöglichkeiten auslösen.

Nicht jede Figur muss auf dem Brett stehen

Gerade bei komplexen Themen entsteht manchmal der Wunsch, möglichst viele Personen, Rollen oder Einflussfaktoren sichtbar zu machen.

Oft zeigt sich jedoch: Weniger Figuren schaffen mehr Klarheit.

Im Coaching geht es deshalb nicht darum, ein System möglichst vollständig abzubilden, sondern die Aspekte sichtbar zu machen, die für das aktuelle Anliegen besonders relevant sind.

Dadurch bleibt der Blick fokussiert und das Wesentliche gerät nicht aus dem Blick.

Zusammenfassung

Systemisches Aufstellen bedeutet weit mehr als das Bild, das viele Menschen zunächst damit verbinden. Im Coaching geht es bei einer Aufstellungsarbeit nicht um „verborgene Wahrheiten“ oder spektakuläre Inszenierungen, sondern vor allem darum, Beziehungen, Dynamiken und innere Bilder sichtbar und damit besser verständlich zu machen.

Es kann dabei helfen, komplexe Situationen greifbarer zu machen:

  • Konflikte werden klarer,
  • Wechselwirkungen sichtbarer,
  • Perspektiven nachvollziehbarer und
  • neue Handlungsmöglichkeiten erkennbar.

Wichtig bleibt dabei die systemische Grundhaltung:

Der Klient ist der Experte für sein eigenes System. Das Brett liefert keine objektiven Wahrheiten, sondern unterstützt dabei, die eigene Wahrnehmung bewusster zu betrachten und neue Sichtweisen zu entwickeln.

Genau darin liegt aus meiner Sicht die besondere Stärke dieser Methode:
Nicht das Brett selbst verändert etwas – sondern die neue Perspektive auf Beziehungen, Rollen und Dynamiken.

Und manchmal reicht genau das bereits aus, damit sich im eigenen System etwas in Bewegung setzt.