Prokrastination

Warum wir aufschieben und wie wir es ändern können!
„Ich sollte wirklich anfangen … aber vielleicht erst später.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Egal, ob es um einen Bericht für die Arbeit, das Aufräumen der Wohnung oder den lange geplanten Zahnarztbesuch geht – wir alle schieben Dinge auf. Manchmal nur für einen Moment, manchmal für Wochen oder sogar Monate.
Doch warum tun wir das? Warum erledigen wir oft lieber kleinere, unwichtige Aufgaben, statt uns den wirklich wichtigen Themen zu widmen? Prokrastination hat viele Gesichter: Die Angst vor Versagen, der Wunsch nach Perfektion oder schlicht die Vermeidung unangenehmer Aufgaben. Die Folgen? Zeitdruck, Stress und das nagende Gefühl, nicht voranzukommen.
Die gute Nachricht: Prokrastination ist kein Charakterzug, sondern ein Verhalten, das sich ändern lässt! In diesem Beitrag stelle ich Ihnen praktische Methoden und Strategien vor, mit denen Sie das Aufschieben überwinden und wieder ins Tun kommen – ganz gleich, ob es sich um eine große, unangenehme oder langweilige Aufgabe handelt.
Der Blogbeitrag gliedert sich wie folgt auf:
- Die wichtigen Aufgaben im Fokus behalten
- Anzeichen von Prokrastination
- Gründe für Prokrastination
- Methoden gegen Prokrastination
- Zusammenfassung
- Abschluss mit Video
Ich wünsche gute Inspiration!
Die wichtigen Aufgaben im Fokus behalten
Vermutlich kennen wir das Alle: Aufgaben nicht anzupacken, sondern vor uns herzuschieben. Wir nennen das Aufschieberitis, Bummelei oder eben Prokrastination.
Wir haben hierfür zahlreiche Gründe.
Aber könnte es nicht sein, dass die Sache, die wir im Moment am meisten ablehnen, die Sache ist, die uns letztlich den größten Nutzen bringen würde, wenn wir es nur tun und erledigen würden? Oft können wir diese Frage mit JA beantworten.
Es gilt also in vielen Fällen unsere Neigung, Aufgaben aufzuschieben, zu überwinden.
Blicken wir mal auf die bekannte Eisenhower-Matrix, welche Aufgaben je nach Wichtigkeit und Dringlichkeit in vier Felder aufteilt, Welche Aufgaben werden am ehesten prokrastiniert?
Ja, tatsächlich sind das die wichtigen Aufgaben!
Denn wenn etwas dringend ist, wenn andere hinter uns her sind, dann müssen wir es irgendwie tun. Aber wenn sie nicht dringend sind, kann man sie leicht liegen lassen. Wir neigen also dazu, die dringenden Dinge vor den nicht dringenden Dingen zu erledigen. Und dann werden die Dinge, die nicht dringend, aber wichtig sind, immer weiter aufgeschoben.
Die Vorbereitung auf Themen, die erst später eintreten werden, lassen sich so leicht aufschieben. Es geht also häufig um das Feld B: Wichtig, nicht dringend.

Aufgaben, welche diesem Bereich zugeordnet werden, bringen uns aber am ehesten zu unseren größeren Zielen und Erfolgen; sonst wären sie ja nicht wichtig. Wenn wir also zulassen, dass die Prokrastination zu einem großen Teil unserer Gewohnheiten wird, führt das zu weniger Leistung, weil wir wichtige Dinge nicht erledigt bekommen. Und es führt auch zu Stress, denn wichtige Aufgaben sind noch nicht getan und auch hier rückt gegebenenfalls ein Termin immer näher. Das kann zusätzlichen Stress erzeugen die Ziele zu erreichen, was zu hoher Unzufriedenheit führen kann. Eventuell beginnt auch das Selbstvertrauen zu leiden, weil wir uns als eine Person sehen, die wichtige Aufgaben immer wieder aufschiebt oder Herausforderungen ausweicht.
Es gibt also viele Gründe Prokrastination zu überwinden!
Anzeichen von Prokrastination
An dieser Stelle möchte ich vier Punkte erwähnen.
- Die Liste der (wichtigen) Aufgaben von letzter Woche ist nahezu unverändert die von dieser Woche. Das gilt natürlich auch für die monatliche Betrachtung.
- Ein weiteres Zeichen für Prokrastination ist, wenn eine Aufgabe oder Liste Sie überwältigt und deprimiert. Man will sich daher nicht damit befassen, weil die Aufgabe zu groß oder zu unangenehm erscheint.
- Das dritte Zeichen ist Stress bzw. ein Gefühl der Angst und der Sorge, dass man nicht genug Fortschritte macht und dass einem die Dinge über den Kopf wachsen könnten und wir einen Weg finden müssen, aus dieser Situation herauszukommen.
- Verdrängungsaktivitäten sind ein weiteres Zeichen für Prokrastination. Wenn man eine unangenehme Aufgabe vermeidet, neigt man dazu, stattdessen andere Dinge zu tun. Dies zeigt, dass man sich vor der eigentlichen Aufgabe versteckt und etwas aufschiebt.
Gründe für Prokrastination
Faulheit - Der einfachste Weg: Das Thema einfach aussitzen
Warum anstrengen, wenn es auch einfach geht! Diese Einstellung spart Energie und ist oft die praktischste Wahl. Unsere Neigung, den einfachsten Weg zu wählen, hat sich als Überlebensstrategie entwickelt. Früher ging es darum, mit minimalem Aufwand das Nötigste zu erreichen – Nahrung zu finden, Wasser zu holen. Diese Tendenz zur Einfachheit ist tief in uns verwurzelt. Die Herausforderung besteht darin, diese natürliche Faulheit zu erkennen und zu lernen, wie man sie überwindet, besonders wenn Aufgaben schwieriger werden.
Angst vor dem Scheitern und vor der Bewertung durch Andere
Wir haben Angst vor dem Versagen und Angst vor Menschen. So schieben wir herausfordernde Aufgaben, an den wir scheitern könnten vor uns her. Und wir prokrastinieren bei Aufgaben, bei der wir mit Menschen konfrontiert werden: Die Kaltakquise im Vertrieb, die Präsentation vor Anderen, usw.
Die Angst vor dem Erfolg
Was ist, wenn es tatsächlich funktioniert
Was wäre, wenn ich durch das konsequente Anpacken wichtiger Aufgaben tatsächlich mein Ziel erreiche? Dann könnte manches in der Zukunft anders sein! Manchmal prokrastinieren wir, weil wir unbewusst Angst vor Veränderungen haben, die dieser Erfolg mit sich bringen würde. Wenn etwas funktioniert und wir erfolgreich sind, könnte das unser Leben verändern, und das macht vielen Angst – sie fürchten, dass sie dann neue, unerwartete Verpflichtungen eingehen müssten.
Viele Menschen versuchen daher oft gar nicht erst eine neue Herausforderung anzunehmen, weil sie sich unsicher sind, was der Erfolg mit sich bringen könnte und wie viel Zeit und Aufwand es erfordern würde.
Die Vermeidung unangenehmer Aufgaben
Es gibt Aufgaben, die man einfach nicht gerne macht. Hier gilt es das innere Kind mit dem Erwachsenen-Ich zu konfrontieren. Hierzu gehe ich näher in den nachfolgenden Methoden ein.
Methoden gegen Prokrastination
Nachfolgend stelle ich verschiedene Methoden und Arbeitsweisen vor, die helfen können Prokrastination anzugehen. Dabei unterscheide ich in drei Kategorien:
In Aufgabe, die wir aufschieben, weil sie
- groß,
- unangenehm oder
- langweilig
sind.
Prokrastinations-Hilfen bei großen Aufgaben
Hier geht es Hilfestellungen bei Themen, die wir vor uns herschieben, weil sie uns so groß vorkommen. Wo soll man da überhaupt anfangen? Dafür hat man doch nie wirklich ausreichend Zeit! Also am besten erst gar nicht damit beginnen, oder?
Sie haben ein Hobby oder können etwas gut, was Sie auch im Internet auf Ihrer Website darstellen möchten? Jetzt haben Sie noch nie eine Website erstellt, können sich aber gut vorstellen, dass das eine große Aufgabe darstellt.
Oder Sie wollten schon immer eine neue Sprache lernen! Aber wann hat man schon Zeit? Und bis man da irgendwas versteht, geschweige sich in der neuen Sprache verständlich zu machen!
Ein weiteres Beispiel: Sie sind Abteilungsleiter und Ihre wichtige Aufgabe ist die Erstellung eines Strategiepapiers. Vielleicht ist das für Sie auch eine große Aufgabe, bei der Sie Probleme haben, diese überhaupt zu beginnen.
Der Termin im Kalender

Eine bewährte Methode, um große Aufgaben nicht weiter aufzuschieben, ist, sich einen festen Termin im Kalender zu setzen – einen verbindlichen Termin mit sich selbst. Indem man sich bewusst Zeit für die Aufgabe reserviert, verhindert man, dass der Alltag mit seinen vielen kleineren, dringenden To-Dos den Platz einnimmt, den eine größere Aufgabe benötigt. Oft schieben wir solche Vorhaben auf, weil wir „jetzt gerade“ keine Zeit haben. Doch wenn man sich die Zeit nicht frühzeitig blockiert, wird sie sich auch in Zukunft nicht von selbst ergeben.
Ziehen wir das Beispiel der Erstellung eines Strategiepapiers heran. Diese Aufgabe benötigt Muße, gegebenenfalls auch Austausch mit anderen Personen sowie konzentriertes Nachdenken und lässt sich nicht einfach nebenbei erledigen. Wenn Sie keinen festen Termin dafür einplanen, besteht die Gefahr, dass Sie sich immer wieder mit kurzfristigen Anfragen, Meetings und E-Mails beschäftigen – und am Ende bleibt das Strategiekonzept eine Dauerbaustelle.
Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Entscheidung bereits getroffen ist! Anstatt jeden Tag neu abzuwägen, wann man anfangen sollen, sind die Terminblöcke bereits im Kalender festgelegt.
Der Schlüssel zum Erfolg ist jedoch Disziplin! Verschieben Sie den Termin nicht leichtfertig. Natürlich kann es Situationen geben, in denen eine Verschiebung sinnvoll ist – doch achten Sie darauf, dass es nicht zur Regel wird. Wenn Sie sich selbst die Verbindlichkeit geben, diesen Termin so ernst zu nehmen wie ein Meeting mit Ihrem Vorgesetzten, werden Sie feststellen, dass Sie große Aufgaben mit weniger Stress und mehr Struktur bewältigen.
Wie isst man einen Elefanten? In kleinen Stücken.

Große Aufgaben fühlen sich oft überwältigend an. Der Trick besteht darin, sie in kleine, überschaubare Schritte zu unterteilen. Anstatt sich vom Gesamtumfang einschüchtern zu lassen, beginnt man mit dem ersten einfachen Schritt. Sobald dieser erledigt ist, fällt es meist leichter, weiterzumachen – und ehe man sich versieht, ist man mitten im Prozess.
Nehmen wir das Beispiel, eine eigene Website zu erstellen. Das kann zunächst einschüchternd wirken, weil so viele verschiedene Aspekte beachtet werden müssen: die Inhalte, das Layout, die Wahl eines Website-Anbieters, Suchmaschinenoptimierung (SEO), passende Bilder und vieles mehr. Doch anstatt sich vom Gesamtprojekt abschrecken zu lassen, kann man es in machbare Teilaufgaben zerlegen.
Ein erster Schritt könnte sein, die grundlegende Frage zu beantworten: Wofür ist die Website gedacht? Soll sie ein Portfolio zeigen, Dienstleistungen bewerben oder als Blog dienen? Ist das geklärt, geht es weiter mit der Struktur: Welche Seiten sollen vorhanden sein? Eine Startseite, ein „Über mich“-Bereich, ein Kontaktformular? Diese grobe Skizze reicht zunächst aus. Danach könnte man sich nur auf die Inhalte konzentrieren – also Texte schreiben, die wichtigsten Informationen zusammenstellen und erste Bilder auswählen. Hat man das erledigt, folgt der nächste Schritt: die Wahl eines Website-Baukastens oder Anbieters. Ist diese Entscheidung getroffen, geht es weiter mit dem Design. Anstatt alles auf einmal fertigstellen zu wollen, kann man sich erst einmal für ein grundlegendes Layout entscheiden und dieses nach und nach verfeinern.
Durch diese schrittweise Vorgehensweise verliert die große Aufgabe ihren Schrecken. Das Wichtigste ist, einfach anzufangen. Wer wartet, bis alles perfekt geplant ist, riskiert, niemals loszulegen. Deshalb gilt: Erst der erste Schritt, dann der nächste – und irgendwann ist der Elefant verspeist.
Energie für große Aufgaben: Bewegung und Schlaf

Manchmal fehlt einfach die Energie, um eine große Aufgabe anzugehen. An manchen Tagen fühlt man sich träge und unmotiviert, während es an anderen Tagen plötzlich leichter fällt, Dinge zu erledigen. Ein entscheidender Faktor dafür ist der eigene körperliche Zustand – insbesondere Fitness und Schlaf.
Regelmäßige Bewegung sorgt dafür, dass man sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig dynamischer fühlt. Bereits leichte sportliche Aktivitäten wie ein Spaziergang oder eine kurze Trainingseinheit können das Energielevel spürbar steigern.
Ebenso wirkt sich erholsamer Schlaf positiv auf die Konzentration und Leistungsfähigkeit aus. Allerdings reicht es oft nicht aus, nur einmal früher ins Bett zu gehen. Erst wenn guter Schlaf zur Gewohnheit wird, stellen sich die langfristigen Effekte ein.
Natürlich kostet Bewegung Zeit und ausreichend Schlaf reduziert die verfügbaren Stunden am Tag. Doch paradoxerweise führt genau das zu höherer Produktivität. Wer ständig müde oder erschöpft ist, verliert Zeit durch Ineffizienz, Ablenkung oder schlicht durch das Aufschieben von Aufgaben. Anstatt in einem Zustand permanenter Erschöpfung kleine Fortschritte zu erzwingen, hilft es, regelmäßig in die eigene körperliche Verfassung zu investieren – um dann mit mehr Energie und Klarheit große Herausforderungen zu bewältigen!
Prokrastinations-Hilfen bei unangenehmen Aufgaben
Der härteste Brocken zuerst: Eat the Frog

Unangenehme Aufgaben hängen oft wie ein dunkler Schatten über dem Tag. Statt sie vor sich herzuschieben, hilft es, sie direkt als Erstes zu erledigen. Diese Methode wird oft als „Eat the Frog“ bezeichnet: Wenn man ohnehin einen Frosch essen muss, dann besser sofort – anstatt den ganzen Tag darüber nachzudenken.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Sobald die schwierigste Aufgabe erledigt ist, fühlt sich der restliche Tag leichter an. Man vermeidet das ständige Grübeln und Anspannung, weil die unangenehme Aufgabe bereits abgehakt ist. Ein einfaches Ritual kann dabei helfen: Jeden Morgen die wichtigste oder unangenehmste Aufgabe auf die To-do-Liste setzen – und gleich nach dem Start in den Tag erledigen.
Dadurch stärkt man nicht nur die eigene Willenskraft, sondern schafft auch Motivation für den Rest des Tages.
Kleine Belohnungen als Anreiz nutzen

Prokrastination entsteht oft, weil unser Gehirn kurzfristige Belohnungen bevorzugt. Deshalb kann es helfen, sich selbst bewusst kleine Anreize zu setzen, um eine Aufgabe zu erledigen. Die Strategie: „Wenn ich diese Aufgabe abgeschlossen habe, gönne ich mir etwas.“
Das kann eine Tasse Kaffee nach einem schwierigen Telefonat sein oder eine Pause nach einer Stunde konzentrierter Arbeit. Besonders effektiv ist es, wenn die Belohnung greifbar ist – etwa eine Reihe von Pralinen oder Snacks, von denen man sich nach jedem erledigten Schritt eine gönnt. Wichtig ist, sich an das Prinzip zu halten: Die Belohnung gibt es nur, wenn die Aufgabe tatsächlich erledigt wurde. So lernt das Gehirn, dass Anstrengung und Erfolg zusammengehören, und die Motivation steigt.
Sich die Zukunft vor Augen führen

Eine wirksame Strategie gegen Aufschieben ist es, sich bewusst zu machen, welche Konsequenzen das eigene Handeln hat – positiv oder negativ. Dabei gibt es zwei Denkweisen: „Hin-zu“ oder „Weg-von“.
Menschen mit einer „Hin-zu“-Motivation lassen sich eher von positiven Zukunftsbildern antreiben: Wie fühlt es sich an, wenn die Aufgabe endlich erledigt ist? Wie viel Erleichterung bringt es, das Projekt abgeschlossen zu haben? Diese Visualisierung schafft Motivation, weil der Nutzen greifbar wird.
Andere reagieren stärker auf „Weg-von“-Impulse: Hier hilft die Vorstellung, was passiert, wenn die Aufgabe nicht erledigt wird. Welche negativen Folgen könnte das haben? Könnte man eine Chance verpassen oder Stress verursachen?
Je nach Persönlichkeit funktioniert eine der beiden Methoden besser. Wer sich selbst kennt, kann gezielt die passende Strategie nutzen, um ins Handeln zu kommen.
Ängste hinterfragen und spielerisch überwinden

Viele Aufgaben schiebt man auf, weil sie mit Unsicherheiten oder Ängsten verbunden sind. Doch oft sind diese Sorgen übertrieben. Ein hilfreicher Trick ist es, sich zwei Fragen zu stellen: „Was ist das Schlimmste, das passieren kann?“ und „Wie wahrscheinlich ist das wirklich?“
Wenn man zum Beispiel eine schwierige E-Mail schreiben muss, könnte die Angst sein: „Was, wenn die andere Person wütend reagiert?“ Doch in den meisten Fällen passiert nichts Schlimmes – und selbst wenn, lassen sich Lösungen finden.
Eine spielerische Herangehensweise kann helfen: Man kann sich selbst eine Wette stellen, wie viele „Nein“-Antworten man bei einer unangenehmen Aufgabe (z. B. Akquise oder Verhandlungen) bekommt – und sich für jedes „Ja“ belohnen.
Auf diese Weise verwandelt sich die Angst in eine Herausforderung, die sogar Spaß machen kann.
Verbindlichkeit schaffen: Erzählen Sie es anderen

Ein starker Motivator kann sozialer Druck sein. Wer anderen von einer Aufgabe erzählt oder sich sogar öffentlich dazu verpflichtet, sie zu erledigen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er es tatsächlich tut. Das kann im Freundeskreis, bei Kollegen oder sogar auf Social Media geschehen.
Der Mechanismus dahinter ist einfach: Sobald andere wissen, dass man sich etwas vorgenommen hat, entsteht ein innerer Antrieb, es auch durchzuziehen – denn niemand möchte als unzuverlässig oder inkonsequent wahrgenommen werden.
Besonders gut funktioniert diese Methode für Menschen, die sich stark an Erwartungen anderer orientieren.
Wer beispielsweise verkündet: „Ich werde bis nächsten Freitag meinen Bericht abschließen“, setzt sich selbst unter positiven Druck und schafft eine Verpflichtung, die das Aufschieben erschwert.
Das richtige Mindset: "Ich bin ein Macher!"

Langfristig hilft es, nicht nur einzelne Tricks anzuwenden, sondern sich ein neues Selbstbild zuzulegen. Wer sich selbst als jemanden sieht, der Dinge sofort erledigt, anstatt sie aufzuschieben, wird automatisch produktiver.
Der Schlüssel liegt in der Selbstgesprächsführung. Statt sich zu sagen: „Ich bin ein hoffnungsloser Prokrastinierer“, sollte man sich immer wieder positiv bestärken: „Ich erledige Dinge sofort.“ Anfangs mag das ungewohnt klingen, doch mit der Zeit beginnt das Gehirn, diese Haltung zu übernehmen.
Wichtig ist, dass der innere Dialog positiv formuliert wird: „Ich bin ein Macher!“ ist wirkungsvoller als „Ich prokrastiniere nicht mehr.“ Denn das Gehirn reagiert besser auf aktive, handlungsorientierte Botschaften.
Wer regelmäßig solche Gedanken bewusst wiederholt, wird feststellen, dass es immer leichter fällt, ins Tun zu kommen – bis es zur Gewohnheit wird.
Prokrastinations-Hilfen bei langweiligen Aufgaben
Immer im Blickfeld: Erinnerungen sichtbar platzieren

Langweilige Aufgaben geraten schnell in Vergessenheit – vor allem, wenn sie gut abgelegt oder verstaut sind. Die Lösung: Sichtbare Erinnerungen schaffen. Denn „aus den Augen, aus dem Sinn“ trifft hier besonders zu.
Möchte man sich zum Beispiel eine neue Sportroutine angewöhnen, kann es helfen, die Laufschuhe direkt neben die Haustür zu stellen. So gibt es keine Ausrede, sie erst suchen zu müssen. Dasselbe gilt für ein Buch, das gelesen werden soll – statt es ins Regal zu räumen, bleibt es offen auf dem Schreibtisch liegen. So wird der nächste Schritt zur Gewohnheit und erscheint nicht mehr als große Hürde.
Der richtige Arbeitsplatz: Ablenkungen minimieren

Viele langweilige Aufgaben bleiben unerledigt, weil der Arbeitsplatz zu viele Ablenkungen bietet. Eine klare, aufgeräumte Umgebung hilft dabei, den Fokus zu behalten und sich nicht von unwichtigen Dingen ablenken zu lassen.
Ein guter Trick ist es, den Schreibtisch bewusst frei von Störfaktoren zu halten. Alles, was nicht zur aktuellen Aufgabe gehört – Zeitschriften, Notizen oder das private Smartphone – sollte außer Reichweite sein. Besonders gefährlich sind digitale Ablenkungen: Wer sich bei jeder neuen E-Mail oder Nachricht unterbrechen lässt, verliert Zeit und Konzentration. Deshalb lohnt es sich, Benachrichtigungen für die Arbeitszeit auszuschalten und bewusste Pausen einzuplanen.
Auch die Arbeitsweise spielt eine Rolle: Statt zwischen mehreren Aufgaben zu wechseln, hilft es, eine langweilige Aufgabe bewusst für einen festen Zeitraum in den Mittelpunkt zu stellen. Eine einfache Regel lautet: Der Arbeitsplatz ist zum Arbeiten da – je weniger Ablenkungen, desto schneller ist die Aufgabe erledigt.
Verbindlichkeit durch einen "Antreiber" schaffen

Manche Aufgaben bleiben unerledigt, weil es niemanden gibt, der sie aktiv einfordert. Eine Lösung: Einen „offiziellen Antreiber“ suchen – eine Person, die regelmäßig nachfragt, ob die Aufgabe erledigt wurde.
Dieser „Antrieber“ kann ein Kollege, Freund oder Familienmitglied sein. Man kann sich beispielsweise dazu verpflichten, wöchentlich einen Fortschrittsbericht abzugeben oder eine Strafe festlegen: „Wenn ich meine Aufgabe bis Freitag nicht erledigt habe, lade ich dich zum Mittagessen ein.“
Alternativ hilft ein Verbindlichkeits-Buddy – jemand, der dieselbe Herausforderung hat. Ob gemeinsames Lernen, eine Verabredung zum Sport oder ein regelmäßiger Check-in:
Die Verbindlichkeit gegenüber einer anderen Person erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass langweilige Aufgaben wirklich erledigt werden.
Die Aufgabe als Chance sehen

Langweilige Aufgaben fühlen sich oft wie lästige Pflichten an – doch ein Perspektivwechsel kann helfen. Statt das Aufräumen als anstrengende und eintönige Tätigkeit zu betrachten, kann man es als Chance für mehr Klarheit und Ordnung sehen.
Wer einen überfüllten Schrank oder ein unaufgeräumtes Büro hat, kennt das Gefühl: Dinge stapeln sich, es wird immer schwieriger, den Überblick zu behalten, und irgendwann verliert man Zeit mit Suchen. Doch genau hier steckt eine Gelegenheit: Aufräumen kann befreiend wirken. Man entdeckt vergessene Gegenstände, schafft Platz für Neues und sorgt für ein angenehmeres Umfeld.
Zusätzlich kann das Aufräumen mit einem positiven Nebeneffekt verbunden werden: Während man Dinge sortiert, kann man Musik hören, einen Podcast laufen lassen oder bewusst die Veränderung wahrnehmen. Statt die Aufgabe als Last zu sehen, hilft es, sie als Weg zu mehr Struktur und Leichtigkeit zu betrachten. Und am Ende wartet ein spürbares Erfolgserlebnis – ein aufgeräumter Raum und ein freier Kopf.
Ein Tag, ein Ziel: Die "Blitz-Methode"

Anstatt eine langweilige Aufgabe über Wochen aufzuschieben, kann man sie in einem konzentrierten „Blitz-Tag“komplett erledigen.
Statt jeden Morgen von Neuem zu überlegen, ob man sich der Aufgabe widmen sollte, kann ein ganzer Tag dafür reserviert werden. Hat man zum Beispiel einen Stapel Papierkram, kann man sich bewusst Zeit nehmen, um alles in einem Durchgang abzuarbeiten. Der Vorteil: Sobald die Aufgabe erledigt ist, muss man sich nicht mehr damit beschäftigen.
Noch effektiver wird diese Methode, wenn man Freunde oder Familie einbindet. Die Norweger haben dafür ein eigenes Konzept: den „Dugnad“ – ein gemeinsamer Arbeitstag, bei dem jeder mithilft und danach gefeiert wird. Ob Gartenarbeit, Renovierung oder eine Steuererklärung – zusammen geht es schneller und macht mehr Spaß.
Mit Routine zur Gewohnheit machen

Langweilige Aufgaben, die regelmäßig erledigt werden müssen, sind oft leichter zu bewältigen, wenn sie in eine feste Routine eingebaut werden.
Ein gutes Beispiel ist der Haushalt: Wer sich jede Woche feste Zeiten für das Wäschewaschen oder Einkaufen setzt, denkt nicht mehr darüber nach – es wird einfach erledigt. Das Gleiche gilt für administrative Aufgaben wie das Einpflegen von Rechnungen: Statt es jedes Mal neu zu entscheiden, könnte jeden Montagmorgen eine halbe Stunde fest eingeplant werden.
Auch Sport funktioniert besser als Routine: Wer jeden Dienstag- und Donnerstagmorgen laufen geht, wird es irgendwann nicht mehr als bewusste Entscheidung wahrnehmen – sondern als festen Bestandteil des Tagesablaufs.
Je automatisierter eine Aufgabe ist, desto geringer ist die Hürde, sie zu erledigen.
Delegieren (wenn möglich)

Manche langweiligen Aufgaben muss man gar nicht selbst erledigen – sie lassen sich einfach delegieren.
Natürlich ist nicht alles übertragbar, aber viele Aufgaben können an andere abgegeben werden. Wer regelmäßig mit Buchhaltung kämpft, kann überlegen, ob ein Steuerberater diese Arbeit übernehmen sollte. Oder das wöchentliche Heckenschneiden: Ist die eigene Zeit nicht wertvoller als die Kosten für einen Gärtner?
Auch im Arbeitsalltag ist Delegation eine Option: Was könnte an Kollegen oder Mitarbeiter übergeben werden? Oft gibt es jemanden, für den eine „langweilige“ Aufgabe eine gute Lernmöglichkeit ist. Das Prinzip lautet: Fokussieren Sie sich auf die Dinge, die Sie wirklich selbst tun müssen – und geben Sie den Rest ab.
Zusammenfassung
Prokrastination betrifft uns alle – ob große, unangenehme oder langweilige Aufgaben. Doch wer lernt, seine Aufschiebegewohnheiten zu erkennen und gezielt entgegenzuwirken, kann langfristig produktiver, entspannter und erfolgreicher arbeiten.
Oft liegt es daran, dass Aufgaben als zu groß erscheinen, dass wir Angst vor Misserfolg oder Kritik haben oder dass wir schlicht den einfachen Weg wählen und Unangenehmes vermeiden. Auch fehlende Struktur, Ablenkungen oder mangelnde Motivation können dazu führen, dass Dinge immer wieder verschoben werden. Die Folgen sind Stress, Zeitdruck und oft auch das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen.
Die gute Nachricht: Es gibt viele bewährte Methoden, um die eigene Prokrastination zu überwinden. Bei großen Aufgaben hilft es, sich feste Termine im Kalender zu setzen, den Arbeitsumfang in kleine Schritte zu zerlegen oder für genügend Energie durch Bewegung und Schlaf zu sorgen. Unangenehme Aufgaben lassen sich durch bewusste Priorisierung („Eat the Frog“), kleine Belohnungen oder soziale Verbindlichkeit leichter anpacken. Und langweilige Aufgaben können mit festen Routinen, fokussierten Arbeitsplätzen oder der Unterstützung durch andere angenehmer gestaltet werden.
Entscheidend ist, die richtige Strategie für sich selbst zu finden. Manche Menschen lassen sich durch Zukunftsvisualisierung motivieren, andere brauchen klare Strukturen oder soziale Kontrolle. Wichtig ist, ins Tun zu kommen und Gewohnheiten zu verändern – denn mit jedem erfolgreich abgeschlossenen Vorhaben wächst die eigene Selbstwirksamkeit.
Prokrastination ist keine Charaktereigenschaft, sondern ein Verhalten, das sich ändern lässt. Wer bewusster mit seinen Aufgaben umgeht und gezielt Methoden einsetzt, wird feststellen: Der schwierigste Schritt ist der erste – danach wird es leichter.